Die Regierung denkt darüber nach, ein Primärarztsystem einzuführen. Dann müssten ältere und hörgeschädigte Patienten zunächst einen Hausarzt konsultieren, bevor sie in einer HNO-Praxis vorstellig werden. Dagegen schlagen der Bundesverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte (BVHNO) und die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) Alarm und haben ein Positionspapier vorgelegt, berichtet „ad-hoc-news.de“. Danach besuchen 88 % der Patienten die Fachpraxen ohne Überweisung. Für BVHNO-Präsident Prof. Dr. Jan Löhler sei das der Beweis, dass die Patienten die Notwendigkeit einer fachärztlichen Begutachtung richtig einschätzen. Eine Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) von 22,4 Millionen Fällen aus dem Jahr 2025 zeigt zudem die Behandlungsanlässe auf: Danach wurden 37,7 % wegen eines Zeruminalpfropfes behandelt, 11,9 % wegen einer Schallempfindungsschwerhörigkeit und bei 10,2 % wurde eine Hörgeräteanpassung vorgenommen. Weitere 6,7 % litten unter einem Tinnitus und 5,9 % unter einem banalen Infekt. Damit entfällt ein erheblicher Teil der Behandlungsanlässe auf Beschwerden und Leistungen aus dem Bereich der Hörversorgung. Gerade für ältere Patienten mit Hörminderung könnte der Wegfall des Direktzugangs eine verzögerte Behandlung bedeuten, befürchten die Verbände.
