Titus Dittmann ist ein umtriebiger Mensch: Einst machte er die Skateboardkultur in Deutschland populär und verkaufte mit seinem Unternehmen das erforderliche Equipment. Heute gibt der 65-Jährige Seminare für Skateboarding an der Universität Münster und hat eine eigene Stiftung, die humanitäre Kinder- und Jugendprojekte unterstützt. Seit einiger Zeit ist Titus Dittmann außerdem Hörgeräteträger – und genießt es, beim Brötchenholen die Tüte wieder rascheln zu hören.

Hörakustik:
Herr Dittmann, muss man sich Sie als jemanden vorstellen, der mit 65 Jahren immer noch ständig mit einem Skateboard unter den Füßen unterwegs ist?

Titus Dittmann: Jeden Samstag und Sonntag fahre ich mit meinem Longboard nach wie vor zum Bäcker, um die Brötchen fürs Frühstück zu holen. Und solange es so viel Spaß macht, werde ich das auch weiterhin tun.

Hörakustik: Ich sage jetzt mal provokativ:Skateboarden, das ist ja gar
kein richtiger Sport, nur so ein Hobby für rebellische Teenager …

Titus Dittmann: Richtig erkannt! Genauso ist es! Und deswegen hilft es den Jugendlichen in der Orientierungsphase bei der Persönlichkeitsbildung und macht sie stark. Das ist wichtig für die Zukunft einer jeden Gesellschaft.

Hörakustik:
Haben Sie in den letzten Jahrzehnten häufig Kritik dafür
geerntet, dass Sie in ein und derselben Szene als Teilnehmer, als Unternehmer mit kommerziellen Interessen, als Veranstalter und darüber hinaus als Stifter unterwegs sind?

Titus Dittmann: Zunächst ja, aber inzwischen haben alle begriffen, wieernst wir es mit unserer Stiftung skate-aid meinen. Außerdem stehe ich inzwischen nur noch für die Titus-Dittmann-Stiftung. Mein Sohn ist seitfünf Jahren verantwortlich für die Marke Titus. Da bin ich komplett raus!

Hörakustik:
Ist es Ihnen schwergefallen, das Geschäft an ihn abzugeben?

Titus Dittmann: Gar nicht. Mein Sohn hatte für mich immer höhere Priorität als das Business, also fiel mir diese Entscheidung leicht. Hinzu kommt, dass er den Job besser macht
als ich.


Hörakustik: Sie haben Ihre Biografie einmal als „Wirtschaftskrimi“ bezeichnet. Wie haben Sie es geschafft, auch in turbulenten Geschäftsjahren immer Spaß bei der Sache zu behalten?

Titus Dittmann: Ich habe immer wieder versucht, damit mein Geld zu verdienen, was mir Spaß macht, was ich liebe und was mich begeistert. Rückschläge und Auf-die-Schnauze-Fallen gehören dazu. Jeder Skateboarder lernt schon am ersten Tag, dass nach dem Hinfallen das Aufstehen, Schmerzwegdrücken und Wiederversuchen kommen.


Hörakustik: Seit einiger Zeit sind Sie Hörgeräteträger. Könnten Sie spontan die Frage beantworten, welches Hörsystem Sie tragen?

Titus Dittmann: Keine Ahnung. Bei der Auswahl vertraue ich voll auf meinen Partner Phonak und die kompetente Beratung der Hörakustiker.

Hörakustik
: Und wie steht’s mit der Technik? Verstehen Sie, wie die Geräte in Ihren Ohren funktionieren?

Titus Dittmann: Als V8-Altmetallschrauber interessiert mich die Technik schon sehr. Inzwischen trage ich ein Hörgerät mit Lautsprecher im Ohr, links ein offenes und rechts ein geschlossenes System. Trotzdem ist die Hauptsache, dass die Dinger funktionieren.

Hörakustik: Wann haben Sie das erste Mal realisiert, dass Sie so schlecht hören, dass etwas passieren muss?

Titus Dittmann: Das war ein schleichender Prozess über mehrere Jahre, der hat sich wegen meiner Hyperaktivitäten etwas länger hingezogen. Erstals ich in Meetings so richtig Probleme hatte, habe ich mir die Zeit genommen, zum Hörakustiker zu gehen. Hätte mir viel Stress gespart, wenn ich es früher getan hätte.

Hörakustik: Musste Sie da letztlich jemand „anschubsen“?

Titus Dittmann: Ich musste mich monatelang selbst anschubsen, bis es Prio Nummer eins wurde!

Hörakustik: Gibt es eine Situation beim Hörgeräteakustiker, die Ihnen von Ihrem ersten Besuch dort besonders in Erinnerung geblieben ist?

Titus Dittmann: Ich wurde in einem Test ständig gefragt, mit welcher Einstellung ich besser höre und verstehe. Da war ich total überfordert und konnte mich nicht festlegen.

Hörakustik: Und wie waren die ersten Tage mit den neuen Geräten? Haben Sie lange gebraucht, um sich daran zu gewöhnen?

Titus Dittmann: Die Gewöhnung war kein Problem, eher das plötzlich wieder gute Hören von Geräuschen, die ich schon fast vergessen hatte. Beim ersten Brötchenholen mit
Skateboard und Hörgeräten war ich auf dem Rückweg zunächst total überrascht über die Lautstärke, die eine Brötchentüte in der Hand verursacht. Ich habe etwas gebraucht,
um das Geräusch zuzuordnen.

Hörakustik: Als Pionier der deutschen Skateboardszene laufen Sie jetzt mit Hörgeräten
durch die Welt. Was für Reaktionen gibt es?

Titus Dittmann: Ich gehe voll normal und offen damit um, und genauso nimmt es meine Umwelt auch auf.

Hörakustik: Seit Kurzem sind Sie sogar Markenbotschafter für einen Hörgerätehersteller, für Phonak …

Titus Dittmann: Ja. Im letzten Urlaub hatte ich vergessen, die Hörgeräte rauszunehmen, bevor ich mit einem Kajak in die Wellen ging. Beim Kentern hörte ich nur noch ein Fiepen und reagierte sofort. Trotzdem konnte ich nur noch eines der beiden Hörgeräte retten. Nach einer Fönbehandlung funktionierte es sogar wieder! Da ich die Dinger gerade für viel Geld erworben hatte und man im Urlaub halt Zeit hat, über kreative Neubeschaffung nachzudenken, habe ich mich bei Phonak beworben und bin genommen worden. Da haben sich halt zwei gesucht und gefunden!

Hörakustik: Sieht man es in der Szene nicht kritisch, dass Sie mit Ihrem Namen für ein Unternehmen einstehen – und dann auch noch für einen Hörgerätehersteller?

Titus Dittmann: Das ist gar kein Problem. Ganz im Gegenteil: Es kommt überall gut an, dass ich zu meiner Schwerhörigkeit stehe.

Hörakustik: Den Verein skate-aid und Ihre Stiftung haben Sie bereits angesprochen. Warum ist Ihres Erachtens ausgerechnet das Skateboarding für die Arbeit mit Kindern in Krisenregionen geeignet?

Titus Dittmann: Inzwischen arbeiten wir in über 30 Projekten auf vier Kontinenten, und überall sind die Kinder und Jugendlichen gleich. Sie brauchen in ihrer Orientierungsphase etwas, das sie stark macht. Ich nenne es „Hilfe bei der Persönlichkeitsbildung“. Nehmen wir das Beispiel Afghanistan: Skateboarden ist eine Jugendkultur, die der Erwachsenenwelt verschlossen bleibt. Wenn ein Kind etwas besser kann als die Eltern, Lehrer, Mullahs und so weiter, dann ist das selbstwirksam, sinnstiftend, identitätsstiftend und hilft bei der Bildung von Selbstbewusstsein und Persönlichkeit. Und nur eine nachwachsende Generation mit starken Persönlichkeiten ist in der Lage, ein neues, eigenes Wertesystem zu bilden und gegen die verkrusteten Strukturen und den Krieg anzugehen.


Hörakustik: Wie reagiert man in Afghanistan auf Sie als über 60-Jährigen, der sich jugendlich kleidet und auf einem Skateboard steht?

Titus Dittmann: Aus Respekt vor der afghanischen Kultur kleide ich mich landesüblich und gehe überall als Afghane durch – solange ich den Mund halte.


Hörakustik: Sie haben bereits Ihre Biografie veröffentlicht, es gibt einen Dokumentarfilm über Sie, Sie haben einen Lehrauftrag, eine eigene Stiftung. Was haben Sie für die Zukunft noch auf Ihrer To-do-Liste?

Titus Dittmann: Bei mir gibt es keine langfristigen Planungen. Ich ergreife gerne die Möglichkeiten, die sich eröffnen und mich begeistern!


Hörakustik:
Herr Dittmann, haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch.

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