Campus Hörakustik goes Middle East

Topaudiologen aus den Ländern Katar, Jordanien und Ägypten besuchten Anfang Juni 2013 den Campus Hörakustik, um sich die weltweit größte Ausbildungsstätte für Hörgeräteakustiker anzuschauen. Wie zu erwarten, waren die Herren sehr beeindruckt von der Kompetenz und Ausstattung in Lübeck. Ein Bericht der biha.


Vordere Reihe (v.l.n.r.): Malte Roberz, Leitung Ausland/Akademie, Barbara Michaela Münch, Stäfa/Schweiz, Professor Khalid Abdul Hadi, Rumailah Hospital,Doha/Katar, Professor Mohammad Al Masri, Amman Universität/Jordanien; Hintere Reihe (v.l.n.r.): Professor Mohamed Shabana, Universität Kairo/Ägypten, Jakob Stephan Baschab, Hauptgeschäftsführer/Akade-mie, Peter Vesely, Studiendirektor/LBS, Professor Dr. Jürgen Tchorz, Leiter Institut für Akustik/FH-Lübeck, Andreas Blöß, Leiter Kompetenzzentrum/Akademie

Vermittelt hatte die Delegationsreise unsere ehrenamtliche Bildungsbotschafterin Barbara Münch. Hauptberuflich ist sie als „International Education Manager“ bei Sonova in Stäfa beschäftigt. Als in Lübeck ausgebildete Hörgeräteakustikerin möchte sie, so neutral wie möglich, den Campus Hörakustik in den Mittelpunkt dieser Bemühungen stellen. Und was für Deutschland zählt, gilt auch für das Ausland: Je mehr topqualifizierte Hörgeräteakustiker es gibt, umso mehr Topgeräte können die Hersteller dort absetzen.

Der Nahe Osten, zu dem nicht nur die arabische Halbinsel, sondern auch Nordafrika in diesem Zusammenhang zu zählen ist, strebt immer weitere Verbesserungen in den Gesundheitssystemen und somit auch in der Versorgung schwerhöriger Menschen an. So ist zum Beispiel in den vergangenen zehn Jahren in Katars Hauptstadt Doha das größte Implantationszentrum des gesamten Nahen Ostens entstanden. In manchen dieser Länder spielt die Zeit eine größer Rolle als das Geld, um die Versorgung der Bevölkerung im Bereich Gesundheit und Bildung voranzutreiben. Viele Beispiele aus Abu Dhabi, Katar oder auch Saudi-Arabien lassen den Westen immer wieder aufhorchen. Eliteuniversitäten wie Harvard und Sorbonne haben längst Kooperationen und Außenstellen im Nahen Osten.

Nichts liegt also näher, als ähnliche Kooperationen für den Campus Hörakustik anzustreben. Denn es mangelt in den arabischen Ländern insbesondere an qualifizierten „Anpassern“, die sicher Ohrabformungen vornehmen und Otoplastiken in Topqualität herstellen können. In Ägypten mit seinen über 80 Millionen Einwohnern können zum Beispiel circa 500 Personen die Verordnungen ausstellen oder Implantate anpassen, doch gibt es dort lediglich 100 Servicestellen für Hörsysteme. Ähnliches gilt für die meisten Länder des Nahen Ostens.

Schnell ist die Idee entstanden, die „Arab Academy of Audiovestibology“ in der jordanischen Hauptstadt Amman zu gründen. Mit Dr. Mohammad Al-Masri, ein in England ausgebildeter Audiologe, konnte ein qualifizierter Generalsekretär für die Gründungszeit gewonnen werden. Er lehrt zugleich an der Universität Amman, genau wie sein Kollege Professor Mohamed Shabana, der an der Universität von Kairo einen Lehrstuhl für Audiologie innehat. Dr. Khalid A. Hadi von der Hamad Medical Corporation (HMC) in Doha verfügt schon heute über Erfahrung in der Ausbildung von „Anpassern“. Im Jahre 2003 veröffentlichte er seine Vision, eine international anerkannte Qualität ausgebildeter Fachkräfte für den Nahen Osten zu gewährleisten. Gemeinsam mit dem Campus Hörakustik kann aus dieser Vision sehr schnell Realität werden.

Campus Hörakustik goes Middle EastDie internationalen Kooperationen, die der Campus Hörakustik mit der Akademie, der LBS, der FH und der Universität seit einigen Jahren vorantreibt, haben viele Vorteile für unsere Branche. Eine Verfestigung unserer eigenen Anerkennung auch in andern Ländern stärkt unsere Position national. Das gerade auch vor dem Hintergrund, dass es unsere duale Ausbildung (bisher) so nur in Österreich, der Schweiz und in Liechtenstein gibt. Umso wichtiger, sich schon heute strategische Partner zu suchen. Zudem öffnen sich auch Bildungsmärkte für die Akademie zu Zeiten, in denen die Schule keine Vollauslastung hat (zum Beispiel während der Ferien). Warum also dann nicht internationale Fachkräfte in dieser Zeit ausbilden? Nicht zuletzt lernen auch alle Mitarbeiter des Campus Hörakustik enorm viel von den internationalen Partnerschaften. Über den „Tellerrand“ hinauszuschauen, hat noch niemandem geschadet.

Wie geht es weiter? In den kommenden Monaten wird ein formaler Kooperationsvertrag unterzeichnet, der eine gegenseitige Unterstützung gewährleisten soll. In einem weiteren Schritt werden unsere arabischen Kooperationspartner in Lübeck im Rahmen eines „Train-the-Trainer“-Konzepts weiter qualifiziert. Gemeinsam sollen dann in einem nächsten Schritt Ausbildungsmodule erarbeitet und in der neu gegründeten Schule in Jordanien oder Katar umgesetzt werden. Das beinhaltet dann auch entsprechende Prüfungen, die gemeinsam mit dem Campus Hörakustik dort abgenommen werden könnten. biha


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