Aus der Ausgabe
2/2013   

Die Akustik in Klassenräumen ist nicht immer optimal, wie erst kürzlich festgehalten. Doch neben baulichen Veränderungen gibt es auch Höranlagen, die das Verstehen für Schüler erleichtern können. Und wie funktionieren die? Lesen Sie hier den Bericht aus der Hörakustik 2/2013.
Alles klar?! – Höranlagen im Überblick

0213Hoeranlagen
Es gibt zahlreiche Übertragungsanlagen, die hörbeeinträchtigten Schülerinnen und Schülern beziehungsweise allen in der Klasse helfen, das Gesagte besser zu verstehen. Welche das sind, fassen wir Ihnen hier zusammen.

Übertragungsanlagen verbessern das Sprachverstehen in schwierigen Hörsituationen. Vom Grundprinzip her arbeiten alle im Folgenden vorgestellten Anlagen ähnlich: Das Signal des Sprechers wird in Mundnähe mit einem Mikrofon aufgenommen und dann mittels Funk- oder Infrarotlichttechnik zu einem stationären Empfänger gesendet. Dieser bearbeitet das Signal und überträgt es schließlich direkt in die Hörsysteme oder Cochlea-Implantate (CI). Das Signal wird dabei in Echtzeit, das heißt ohne merkliche Zeitverzögerung und damit lippensynchron, übertragen. Solche Zusatztechniken ermöglichen somit, dass Distanzen zum Sprecher überbrückt werden und der Signal-Rauschabstand deutlich verbessert, also die Stimme des Sprechers aus den Hintergrundgeräuschen hervorgehoben wird. Zu beachten ist, dass bei Übertragungsanlagen mit Funktechnik für jeden Raum ein eigener Übertragungskanal verfügbar ist.

Infrarotübertragungssysteme können dagegen in beliebig vielen Räumen installiert werden, allerdings muss hierbei immer auf »Sichtkontakt« zwischen Sender und Empfänger geachtet werden. Dreht sich der Lehrer beispielsweise zur Tafel und spricht weiter, kann das Signal nicht empfangen werden. Auch starkes Sonnenlicht kann die Übertragung behindern. Durch diese Störanfälligkeit werden Infrarotsysteme in Schulen kaum eingesetzt, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen wird. Hauptsächlich verwendet werden in Klassenräumen FM-Anlagen. Diese bestehen im Allgemeinen aus einem Handsendermikrofon und einem oder mehreren Empfängern. An diese sind Kopfhörer, Audiokabel mit Audioschuh oder Induktionshalsringschleifen angeschlossen. Daneben ist in Schulen ebenso der Einsatz von induktiven Höranlagen (auch Induktionsanlagen genannt) denkbar. Eine induktive Höranlage ist fest im Raum installiert (Ringschleife zum Beispiel im Fußboden oder in der Decke) und im Allgemeinen an die Lautsprecheranlage des Raums angeschlossen (Ausnahme: Schalteranlage), Empfänger ist die Telefonspule (T-Spule) im Hörgerät oder CI oder auch ein Induktionsempfänger mit Kopfhörer für Personen, die (noch) ohne Hörgerät sind. Bisher werden solche Systeme in Schulen in Deutschland kaum eingesetzt, da sie nachträglich aufwendiger zu installieren sind und ältere Anlagen eine schlechtere Klangqualität aufweisen.

Bei der Planung von Schulen sollten moderne Induktionsanlagen wegen ihrer bestehenden Vorteile, etwa die günstige sowie einfache und einheitliche Anbindung verschiedener Hörsysteme, allerdings in Betracht gezogen werden. Jedoch sollten auch die Nachteile solcher Anlagen, wie die gegenseitige Störung mehrerer in benachbarten Räumen installierter Induktionsanlagen bedacht werden. Welches der zwei genannten Systeme wofür geeignet ist, wie es jeweils funktioniert und vieles Wissenswerte mehr lesen Sie im Überblick in der unserer Tabelle. Die in anderen Ländern häufiger eingesetzte Freifeldbeschallung, von der alle Schüler durch gleichmäßige Lautstärkeverteilung der Lehrerstimme im Klassenraum profitieren sollen, betrachten wir hier nicht näher, da unabhängige Untersuchungen keinerlei Vorteile gezeigt haben, sondern im Gegenteil eher einen nachteiligen Effekt auf das Sprachverstehen hatten. Anja Facius

Die Tabelle zum Text ist in der Hörakustik 2/2013 erschienen.

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