„Ich kann es nicht mehr hören!“, so oder so ähnlich lauten nicht nur die Reaktion von unwilligen Schülern, wenn das Thema Holocaust im Unterricht besprochen werden soll. Doch was können Lehrer, Erzieher oder Eltern tun, um 60 Jahre nach Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, echtes Interesse bei Jugendlichen zu wecken und nicht auf taube Ohren zu stoßen. Prof. Dr. Wilhelm Schwendemann gibt Tipps wie Erziehung nach dem Holocaust in Deutschland aussehen kann.


Geschichtliche Neugier und Aufnahmebereitschaft sind innerhalb und außerhalb der Schule wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Lernprozess. Der ist jedoch auch abhängig vom Engagement der lehrenden Personen.

Wie es gelingen kann in außerschulischen und schulischen Projekten Erinnerungsarbeit zu leisten, ohne dass jugendliche Identitäten gestört werden, macht Schwendemann in einer Vierteljahresschrift der UNESCO deutlich.

Ein wichtiger Aspekt sei demnach das selbst erleben. Schüler und Jugendliche sollten sich hierzu selbst auf „Spurensuche“ begeben, um nachhaltig zu lernen. „Erinnerungslernen darf keineswegs vergangenheitsfixiert bleiben“, mahnt der Professor für Evangelische Theologie und Didaktik an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Eine historische Sensibilisierung sei deshalb nur ein erster Schritt.

„Geschichte muss folglich erlebt werden, dass sie etwas ‚mit mir’ zu tun hat. Nur dann wenn das Ich in seiner Existenz, das heißt wenn die Identität des (jungen) Menschen betroffen ist, kann so etwas wie Verhaltensänderung geschehen. Im Zusammenhang mit Auschwitz als der absoluten Inhumanität kann dies nur bedeuten, dass Menschen etwas gelernt haben, wenn sie ‚Humanität’ gelernt haben.“

Das Lernziel sollte deshalb nicht das Auswendiglernen von Zahlen, Daten oder Fakten sein, sondern, dass die Konfrontation mit dem historischen Thema nicht nur etwas über das Damals aussagt, sondern auch etwas über das Heute und vor allem etwas über die eigne Person.

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