Auch in den Vereinigten Staaten hat die Coronakrise Auswirkungen auf die Hörversorgung. „Viele Dienstleister im Gesundheitswesen, unter anderem die Audiologen, werden gebeten, die Türen zu ihren Kliniken zu schließen und ihre Patienten aus der Ferne zu unterstützen“, sagt Catherine Palmer PhD., Präsidentin der American Academy of Audiology (AAA), in einem Statement, das am 1. April 2020 auf der AAA-Website veröffentlicht wurde (https://www.audiology.org/about-us/academy-leadership/presidents-message/president%E2%80%99s-message-committed-helping-you-get-through). Zwar sei der überwiegende Teil der Arbeit von Audiologen nicht als „lebenserhaltend“ einzustufen, das mindere jedoch nicht ihre Bedeutung und die Notwendigkeit, auch weiterhin für die Patienten da zu sein. „Unsere Herausforderung ist es festzulegen, wie wir am besten unserer essenziellen Arbeit aus der Ferne nachgehen.“ Diese Herausforderung erfordere innovatives Denken und die Nutzung vorhandener Technologien zum Wohle der Kunden. „Wenn Sie noch nie Fernanpassungen gemacht haben, reden Sie mit den Herstellern über diesen Weg, die Kunden aus der Ferne zu unterstützen“, rät Palmer ihren Kollegen. Die Industrie habe außerdem bereits angeboten, Zubehör und reparierte Hörgeräte direkt an die Patienten zu verschicken.

Derzeit verfügen elf US-Bundesstaaten über Regularien zur Teleaudiologie, einige Staaten haben Sonderregelungen während der Krise eingeführt. Unabhängig von den jeweiligen staatlichen Vorschriften stehe es den Audiologen frei, auf die Patienten zuzugehen, mit ihnen zu kommunizieren und sie durch diese schwierige Zeit zu begleiten –ob die Praxis nun über die technischen Voraussetzungen zur Fernbetreuung verfüge oder nicht. Palmer ruft die Audiologen zur detaillierten Dokumentation aller Interaktionen mit den Kunden auf. Teleservices sollten im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten direkt mit den Kunden zu einem angemessenen und vernünftigen Preis abgerechnet werden.

Bei Notfällen, die nicht aus der Ferne betreut werden können, rät die AAA-Präsidentin zu einer jeweils individuellen Risikoabwägung. Es sei immer schwierig zu entscheiden, was verschoben werden könne und was nicht, besonders im Bereich der Kinderversorgung und des Neugeborenen-Hörscreenings. Hier haben einzelne Kliniken voneinander abweichende Regelungen. Verzögerungen seien unvermeidbar, auch im Bereich der Cochlea-Implantat(CI)-Versorgung, denn die Gesundheit aller Beteiligten und der Allgemeinheit sei das höchste Gut und die Gefahr der Ansteckung durch persönlichen Kontakt in diesen Zeiten zu groß. Zwar könne man einen Hörverlust durchaus als Notfall einstufen, sollte aber über Möglichkeiten nachdenken, wie sich Patienten bis zu einem persönlichen Behandlungstermin behelfen könnten, etwa mit Verstärkungs- oder Transkriptions-Apps. Niemand wisse jedoch, ob die Verzögerung einen oder drei Monate dauern werde. Bei Patienten mit einem Hörsturz könne nach einer ersten Steroidinjektion ein online durchgeführter Hörtest Aufschluss darüber geben, ob ein persönliches Erscheinen für eine zweite Injektion überhaupt notwendig sei.

Catherine Palmer ermahnt die Audiologen, bereits jetzt an die Arbeitsorganisation und Terminvergabe in der Zeit „danach“ zu denken. Sie prophezeit: „Das Hochfahren wird genauso schwierig werden wie das Schließen.“ Einen Lichtblick gibt es dennoch in diesen Zeiten, findet die AAA-Präsidentin. Manche der krisenbedingten Innovationen werden in den Kliniken wohl dauerhaft beibehalten werden. „Viele Audiologen entdecken gerade hervorragende neue Möglichkeiten der Patientenunterstützung und der Weiterbildung inmitten dieses riesigen Albtraums, in dem wir uns alle befinden.“ Die Onlinekurse zum Thema Telegesundheit sind bei der American Academy of Audiology bis Ende Mai 2020 kostenlos verfügbar. ws

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