Unter den möglichen Spezialisierungen, die Hörgeräteakustiker durch Weiterbildung erlangen können, ist die zum CI-Akustiker noch relativ neu. Welche Chancen und Möglichkeiten es für den Berufsstand überhaupt gibt, Cochlea-Implantat-Träger zu betreuen, darüber wurde in einem CI-Workshop auf dem EUHA-Kongress 2015 diskutiert.

Es war ein gemischtes Publikum, das sich am Morgen des 15.10.2015 zum Workshop „CI-Versorgung: Ein Thema für die Bran­che?“ zusammenfand. In einer von der Moderatorin Eva Keil-Becker ange­regten Vorstellungsrunde stellten sich die etwa 25 Teilnehmer als Hörakustiker, Bachelorstudenten, Krankenkassenvertreter und Mitarbeiter an Gehörlosenschulen vor; ein paar der Anwesenden hatten bereits eine Wei­terbildung zum CI-Akustiker absol­viert, andere waren absolute „Neulin­ge“ in Sachen Cochlea-Implantat(CI)-Versorgung.

Entsprechend vielfältig waren die Themen, die die Anwesenden als In­formationswünsche für den Workshop äußerten – von der grundsätzlichen Indikation für ein Hörimplantat über Zusatzgeräte, Marktzahlen und die Ab­rechnung mit den Krankenkassen bis hin zur Möglichkeit, als Akustiker Soft­wareupgrades im CI-Prozessor durch­zuführen. Zu den Grundlagen referierte Michael Willenberg aus Leipzig, der zu­nächst allgemeine Informationen zu den CI-Herstellern und dem Aufbau der Implantate gab.

Als Indikationen für ein Cochlea-Implantat nannte er unter anderem die postlinguale Ertau­bung, einen hochgradigen Hörverlust nach WHO4 und die Ertaubung nach einer bakteriellen Meningitis (Hirn­hautentzündung). „Wichtig im Kontakt mit potenziellen CI-Patienten ist aber nicht nur der tonaudiometrische Hör­verlust, sondern vor allen Dingen das Diskriminationsvermögen und ein ganzheitlicher Blick auf die Rahmen­bedingungen“, betonte Willenberg. Jeder Einzelfall müsse sehr kritisch be­leuchtet und diskutiert werden. Kontraindikationen seien beispielsweise ein fehlender Hörnerv oder auch die Aus­sicht auf mangelnden therapeutischen Erfolg.

Nachdem Michael Willenberg den Ablauf der Voruntersuchungen für eine Implantation geschildert und die be­teiligten Disziplinen genannt hatte, betonte er die Kompetenz des Hörakustikers im Rahmen einer CI-Versor­gung: die Information und Beratung. Im Hörakustikfachgeschäft könnten Möglichkeiten und Grenzen der Im­plantation sowie die Motivation des Kunden diskutiert werden, unter Um­ständen könnten auch OP-Ablauf, Risiken und die anschließende Reha­bilitation besprochen werden. Auch einen Überblick über die Erstanpas­sung eines CIs gab der Referent. Er selbst definiere diese als den ersten intensiven Teil der Anpassung eines Hörimplantates; gemeint sei nicht ein erster Termin, wie man dies aus der Hörgeräteanpassung kenne.

Als Ereig­nisse in diesem mehrere Monate um­fassenden Zeitraum nannte Michael Willenberg die Erstaktivierung des CIs etwa vier bis sechs Wochen nach der Operation, gegebenenfalls einen Klinikaufenthalt von etwa fünf Tagen zur ersten Anpassung und Einweisung ins System (alternativ: ambulante Termi­ne), das Präsentieren der ersten Schallereignisse, das Abgreifen des subjektiven Empfindens des Patienten, eine intensive Einweisung in die Technik und auch die Audiotherapie.

Den gesamten Beitrag gibt es in der Januarausgabe. "Hörakustik" - einfach mehr wissen.

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