Foto: Privat

Anhand von Mikrofonsignalen klassifizieren Hörgeräte die akustische Umgebung. Basierend auf der erkannten Szene, wird die interne Signalverarbeitung bestmöglich eingestellt, um ein besseres Sprachverstehen und ein natürliches Klangbild zu erreichen. Jedoch ist eine reale Szenenbeschreibung durch akustische Merkmale allein unvollkommen, denn Kopfbewegungen des Hörgeräteträgers bleiben bislang unberücksichtigt.

Doch hier kann Abhilfe geschafft werden, erklärt Dr. Tobias Wurzbacher in seinem Vortrag – und zwar mittels direkt in die Hörgeräte verbauter Beschleunigungssensoren. Jüngst wird dies in Hörgeräten für eine Geh-Detektion genutzt. So kann nun unterschieden werden, ob der Nutzer in einem Straßencafé einem Gespräch lauscht oder aber dieselbe Straße entlanggeht. Beide Szenarien sollten unterschiedliche Verarbeitungen im Hörgerät anstoßen: Im ersten Fall sind die Geräuschreduktion und die Richtwirkung stark aktiv, um dem Gespräch folgen zu können. Im zweiten Fall ist die Richtwirkung zu minimieren, damit eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr gewährleistet wird.

Die Kombination aus Akustik- und Sensordaten erfasst ein vollständigeres Bild der Szene, in der sich der Hörgeräteträger gerade befindet. Hierdurch kann sich das Hörgerät spezifischer auf unterschiedliche Szenen einstellen und damit die Kernfunktionalität des besseren Hörens stärken.

Dr. Tobias Wurzbacher studierte den Diplomstudiengang Elektrotechnik an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg von 1998 bis 2003. Der Studienschwerpunkt umfasste die Gebiete Nachrichtenübertragung sowie digitale Sprach- und Audiosignalverarbeitung. Im Anschluss war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie des Universitätsklinikums Erlangen beschäftigt. Seine Promotion schloss er 2007 an der FAU in der Technischen Fakultät mit dem Thema „Vocal Fold Dynamics – Quantification and Model-based Classification“ ab. Seit 2007 ist er als Forschungs- und Entwicklungsingenieur im Bereich der digitalen Signalverarbeitung für Hörgeräte bei WS Audiology tätig. Seine primären Forschungsinteressen liegen im Bereich der Sensorsignalverarbeitung und der akustischen Rückkopplungsunterdrückung.

Der Vortrag „Sensoren im Hörgerät? Erweiterte Szenenanalyse durch Bewegungsmuster“ findet am Donnerstag, 17.10.2019, von 14.30‒15 Uhr statt.   EUHA/nr

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