Foto: alvarez/iStock.com

Wird das Hörsystem verloren, ist guter Rat leider oft teuer. Haftpflichtversicherungen übernehmen den Schaden häufig nicht und auch spezielle Versicherungen haben konkrete Vorgaben, welchen Schaden sie unter welchen Bedingungen übernehmen. Daher liegt es nahe, bei einem Verlust des Hörsystems zunächst nach einem „Schuldigen“ zu suchen, der für den Schaden aufkommt. Bei einem Verlust im Krankenhaus vermutet man die Schuld gerne beim Krankenhaus. Doch muss dieses tatsächlich auf das Hab und Gut seiner Patienten aufpassen?

 

Sachverhalt

Dies behauptete jedenfalls ein dementer Patient, der nach einem Sturz als Notfallpatient in ein Krankenhaus eingeliefert wurde – mit zwei Hörsystemen. Nach drei Tagen wurde er bereits wieder entlassen – jedoch nur noch mit einem Hörsystem. Die private Haftpflichtversicherung übernahm zwar aus Kulanz einen Teil der Kosten für die Ersatzbeschaffung. Für die restlichen Kosten musste er jedoch selbst aufkommen. Der Patient forderte diesen Teil der Kosten vom Krankenhaus, da dieses seine Obhutspflicht verletzt habe. Da er als dementer Patient auf seine privaten Gegenstände weniger gut aufpassen könne als ein geistig gesunder Patient, hätte das Krankenhaus auf die Hörsysteme besonders achten müssen.

 

Entscheidungsgründe

Das zur Entscheidung angerufene Amtsgericht Dresden wies die Klage des dementen Hörsystemträgers ab (Urteil vom 08.11.2019, Az. 101 C 3364/19). Zwar richte sich der Umfang der Betreuungspflicht des Krankenhauses auch nach dem Gesundheitszustand des Patienten – allerdings müsse der Aufwand dem Krankenhaus zumutbar sein. Eine Obhutspflicht für Gegenstände des täglichen Lebens – wozu ein Hörgerät zählt – würde die Anforderungen an den Krankenhausbetrieb jedoch überspannen. Insbesondere sei das Krankenhauspersonal nicht verpflichtet, einen dementen Patienten ständig zu überwachen. Eine Obhutspflicht des Krankenhauses bestehe nur, wenn dem Krankenhaus die Hörsysteme in Verwahrung gegeben wurden oder wenn diese vor einer anstehenden Untersuchung vom Patienten abgelegt werden mussten. Das Hörsystem des Klägers musste jedoch für die konkrete Untersuchung und Behandlung nicht abgelegt werden. Damit aber habe der Kläger das Hörsystem am Körper getragen, von wo es ohne Grund nicht weggenommen werden dürfe. Damit könne das Hörsystem aber auch nicht vom Krankenhauspersonal in Verwahrung genommen werden, sodass von einer Obhutspflicht nicht ausgegangen werden könne. Bei Patienten, die nicht in der Lage sind, auf ihre Gegenstände zu achten, könne eine Obhutspflicht des Krankenhauses zwar auch bestehen, wenn es sich um teure Gegenstände oder große Bargeldbeträge handelt und der Besitz solcher Gegenstände dem Krankenhauspersonal bekannt ist. Hörsysteme seien hiervon jedoch nicht erfasst, da es sich bei ihnen um Gegenstände des täglichen Lebens handele. 

 

Für die Praxis

Der Verlust von Hörsystemen ist immer ärgerlich und meistens teuer. Gerade in Coronazeiten mehren sich die Verlustfälle durch das An- und Ausziehen von Mund-Nasen-Schutzmasken. Die biha hat daher bereits eine Informationskampagne gestartet. Den dazugehörenden Flyer können Sie anfordern unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Dieser klärt Hörsystemträger über das richtige An - und Ausziehen von Alltagsmasken auf.

Vor Corona ereignete sich ein Großteil der Verlustfälle jedoch im Krankenhaus. Gerade hier ist also Vorsicht besser als Nachsicht – trifft das Krankenhaus doch keine generelle Obhutspflicht. Bestehen also Bedenken, dass Hörsysteme verloren gehen könnten, sollten diese – etwa vor einer Operation – dem Krankenhauspersonal in Verwahrung gegeben werden. Im Übrigen sollte der Hörsystemträger eine geeignete Aufbewahrungsbox mitführen, welche auch seine Kontaktdaten enthält.

Doch was tun, wenn das Hörsystem trotz aller Vorsicht abhandenkommt? In diesen Fällen sollten das Krankenhaus sowie das nächste Fundbüro in Kenntnis gesetzt werden – womöglich meldet sich dort ein ehrlicher Finder. Zudem kann hier auch die Seriennummer helfen: Mit dieser lässt sich das Hörsystem über den versorgenden Hörakustiker dem richtigen Träger zuordnen. Wird ein Hörsystem gefunden, soll dieses daher beim nächsten Akustiker abgegeben werden. Dieser kann dann den Hersteller informieren, der über die Seriennummer den versorgenden Hörakustiker ausfindig macht. So kann das Hörsystem dann wieder seinem eigentlichen Besitzer zugeführt werden.

Das Urteil zum Fall lesen Sie hier.

Alexandra Gödecke • biha

„Hörakustik“ – einfach mehr wissen.

Impressum | Datenschutz | Kontakt | Abonnieren | Mediadaten

© 2018 hoerakustik.net