exklusiv-Beitrag 4
Aus der Ausgabe 3/2013

Der Festsaal des Kolosseums in Lübeck war gut gefüllt mit frisch gekürten Gesellen und Gesellinnen. Auch einige Angehörige, Freunde und noch Auszubildende wollten sich die Freisprechung nicht entgehen lassen. Der Vorsitzende des Gesellenprüfungsausschusses II, Maximilian Schwab, begrüßte alle Anwesenden, im Besonderen Gabriele Hiller-Ohm (Mitglied des Bundestags), Oberstudiendirektor Bodo Kroll (Leiter der Berufsschule der Handwerkskammer Lübeck) sowie Tim Brockmann (Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Fachverbände und Kreishandwerkerschaften – Handwerk Schleswig-Holstein e.V.) und führte wie gewohnt sicher und mit einer Prise Humor durch die gesamte Veranstaltung.

In feierlicher Vorfreude warteten die jungen Gesellinnen und Gesellen auf ihre Freisprechung durch Marianne Frickel, die Präsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker KdöR (biha). In ihrer Ansprache betonte sie: »Optimismus ist nicht etwa angeboren – er ist erlernbar. Aber wie, werden Sie sich fragen? Der Schlüssel zum Optimismus und zum Erfolg hat einen Namen: Zielorientierung.« Damit war allen Anwesenden klar, dass eine Prüfung zu bestehen nicht nur allein vom Lernen kurz vor der Prüfung abhängt, sondern auch von einer genauen Vorstellung des eigenen Ziels. Frickel fand in diesem Zusammenhang viele lobende Worte für die Eltern, Geschwister und guten Freunde der Prüflinge, die meist erheblich zu deren Erfolg beitragen. Nicht unerwähnt blieben die Helfer im Hintergrund sowie die Mitglieder des Gesellenprüfungsausschusses. Diese würdigte sie mit ihrem besonderen Dank und den Worten: »(…) auch das Ehrenamt ist unverzichtbar!« 0313WGP

In den sechs Tagen der Winterprüfung wurden über 240 Auszubildende in den unterschiedlichen Prüfungsteilen begutachtet und bewertet. Frickel verwies in ihrer Rede auf die Einmaligkeit dieser Freisprechungsfeier und sagte mit den traditionellen Worten: »Ich spreche die hier anwesenden Junghandwerker von den Pflichten und Rechten des Auszubildenden, ebenso wie ihre Ausbilder, frei«. Im Anschluss an die Freisprechung, sprach Frickel über die Bedeutung und Tradition der Wertegemeinschaft Handwerk. Sie wies die frisch gekürten Gesellinnen und Gesellen darauf hin, dass auch sie heute, als neue Imageträger des Handwerks, eine neue Verantwortung in der Öffentlichkeit hätten. Denn: »Ohne Handwerk geht es nicht!«

Gabriele Hiller-Ohm, Mitglied des Deutschen Bundestags (unter anderem Mitglied im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales) stellte die Einmaligkeit der Berufsausbildung zum Hörgeräteakustiker in den Fokus ihrer Ansprache und betonte nicht nur den wirtschaftlichen Aspekt für die Hansestadt Lübeck, sondern auch die Bereicherung der Bildungslandschaft in ganz Schleswig-Holstein. »Ein herausragendes Merkmal des Berufsstands ist der Anteil der weiblichen Auszubildenden«, lobte die gelernte Elektroinstallateurin. Sie war in ihrer eigenen Ausbildungszeit die einzige Frau in ihrem Handwerk. Sie betonte weiter, dass die einzigartige Verknüpfung von theoretischer und betrieblicher Ausbildung – das duale Ausbildungsprinzip – zu ganzheitlich qualifizierten Fachkräften führt, die kompetent, flexibel und vor allem sofort in der Arbeitspraxis einsetzbar sind. Die Effizienz des dualen Systems sei aber keinesfalls ein Selbstläufer und auch kein Grund, um sich entspannt zurückzulehnen. Fachkräftemangel sei vor einigen Jahren noch ein Fremdwort im wirtschafts- und bildungspolitischen Diskurs gewesen, heute sei er eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre.

Die Grußworte für die beruflichen Schulen der Handwerkskammer in Lübeck überbrachte Studiendirektor Peter Vesely. In seiner Rede stellte er die »Freisprechung« und den »Freispruch« in den Vordergrund und verband die Synonyme in einzigartiger Weise. Er betonte in seinem Vortrag, dass der Berufsabschluss auch ein Schritt in die persönliche Selbstständigkeit sei und ermunterte die neuen Gesellen, diese Veränderung für sich zu nutzen. Maximilian Schwab fasste die Prüfungsergebnisse zusammen. Die schriftliche Prüfung bestanden 71 Prozent der Teilnehmer, den praktischen Prüfungsteil 79 Prozent. Damit haben 73 Prozent die Gesamtprüfung im ersten Anlauf bestanden. Die Erfahrung zeigt, dass alle anderen es in der Regel beim nächsten Versuch schaffen. Im schriftlichen Teil belegten Dennis Stephan aus Burgwedel, Guido Mertke aus Neustrelitz und Inken Meyer aus Söhlde die ersten drei Plätze. Im praktischem Teil waren das Annette Wahlich aus Oberhausen, Melissa Reinhardt aus Limbach und Thorsten Hellmuth aus Düsseldorf. Die besten Gesamtergebnisse erreichten somit Melissa Reinhardt (76 Prozent schriftlich und 75 Prozent praktisch), Annette Wahlich (72 Prozent schriftlich und 77 Prozent praktisch) und Christopher Schneider (75 Prozent schriftlich und 73 Prozent praktisch).

Abgerundet wurden die Redebeiträge von Alwin Rausch, der in allbekannter Weise in bayrischer Sprache, die aber auch für den Norddeutschen verstehbar war, die Tücken der Ausbildung und die Missgeschicke der Lehrlinge in dieser Zeit humorvoll aufbereitete. Der musikalische Höhepunkt der Freisprechung war das »Lübecker Streichquartett«, das sich aus Berit Jütz, Berufsschullehrerin an der Landesberufsschule für Hörgeräteakustiker (Viola), Marie Bahrendt und Jochen Fischer (beide Violine) und Christian Hahn (Cello), zusammensetzt.

Rainer Gerber, Akademie für Hörgeräte-Akustik

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