Zeugnisübergabe an der LBS LübeckSie begrüßten sich per Handschlag, gaben sich noch einen aufmunternden Klaps auf den Rücken und sprachen sich gut zu: „Viel Glück!“ Einige wollten es nur hinter sich bringen und drängelten sich am Morgen des 29. Junis durch die Gänge der AHA, wollten, so schnell es ging, zu den Klassenräumen, in denen sie ihre Ergebnisse erfahren sollten. Aber als es um 8.30 Uhr losging und die ersten Prüflinge aufgerufen wurden, herrschte erst einmal Durcheinander.



Erste Jubelschreie am Morgen

Einige Prüfungsnummern waren woanders angeschlagen worden als gedacht und so zwängten sich immer wieder kleine Gruppen durch die Massen an der Landesberufsschule in Lübeck. „Hier runter?“ – „Nee, wir müssen nach dahinten.“ Dann das Warten. Viele wussten gar nicht, wohin mit ihrer Aufregung, starrten auf die Klassenzimmertüren oder hielten sich im Arm. Dann gingen die ersten rein und kamen wieder raus – mit Gesellenbrief. Am Anfang noch etwas verhalten, jubelten immer mehr, wie befreit, als sie aus einer der vielen Türen traten. „Jawoll!“, freuten sich die einen kurz und knapp. „Mit 3 und 4 – egal“, waren die anderen vor allem erleichtert. So war das typischste Geräusch an diesem Morgen wohl auch ein erleichtertes „Hach!“. Dann wieder rissen Schüler die Arme in die Höhe und ballten die Hände zu Fäusten. „JA!“ Die ersten Freudentränen flossen.

Doch je länger die restlichen Prüflinge warten mussten, desto mehr Anspannung machte sich breit. In den stickigen Fluren wurde dazu die Luft immer knapper, wie eine Lehrende nach etwas mehr als einer halben Stunde richtig bemerkte. Und so versuchte sie immer, die Stimmung aufzulockern, rief „Applaus, Applaus!“, wenn ein neuer Geselle herauskam. „Ja, ja, in Anpassung warst Du total schlecht, hast Du gesagt, und dann so eine Note“, verglichen die Schüler anschließend sofort ihre Ergebnisse. „Das ganze Jahr über hatte ich Probleme bei der Abformung und jetzt das“, waren einige selbst von ihrer Leistung überrascht, im Positiven. Doch für die, die weiter warten mussten, verging die Zeit einfach viel zu langsam. „Oh, Gott, ich sterbe“, meinte ein Schüler nach fast einer Stunde Warten. Viele sagten da schon gar nichts mehr, hatten sich auf den Boden gehockt und versuchten, ihre zitternden Hände zu beruhigen. Bei den meisten war die Angst unbegründet. 644 Schüler haben die Prüfungen in diesem Sommer bestanden.

Prüfungsstress war bei Feier vergessen

Aber nicht alle konnten sich freuen. Fast 200 Schülerinnen und Schüler haben es dieses Mal nicht „gepackt“. Dass die Prüfung nicht einfach ist, ist wohl kein Geheimnis. Aber das nützte den enttäuschten Schülern natürlich im ersten Augenblick auch nichts. Einige Azubi-Kollegen äußerten Kritik am Verfahren. Ihre Freunde hätten erst in Lübeck erfahren, dass sie in die mündliche Prüfung müssten und hätten kaum Zeit gehabt, sich richtig vorzubereiten. „Schlimmer als das Abi“, beschrieben andere den Druck. Sie könnten einfach schlechter einschätzten, ob es reiche oder nicht.

Doch von diesen Sorgen war bei der anschließenden Feier in der Musik- und Kongreßhalle in Lübeck nichts zu spüren. Vielmehr strömten die Schüler mit ihren Eltern, Geschwistern, Freunden und Bekannten feierlich zurechtgemacht in den Saal und hörten erst auf zu quatschen, als die biha-Präsidentin Marianne Frickel schon auf der Bühne stand. Welchen Respekt sie, die Lehrer der LBS, die Mitglieder der Prüfungsausschüsse sowie die Branchenvertreter und die Gäste aus der Politik vor der Leistung der neuen Gesellen haben, zeigten sie deutlich. Nach der offiziellen Freisprechung standen sie alle auf, drehten sich zum Publikum um und applaudierten den neuen Gesellen minutenlang. Einer der Prüfungsausschussvorsitzenden sprach schließlich auch den (vorerst) Gescheiterten Mut zu. Es brauche immer auch ein Quäntchen Glück, die richtigen Fragen müssten drankommen und die Prüflinge dazu „stressfest“ sein, meinte Peter Denkert. „Das ist nicht jeder!“ Frickel erinnerte in ihrer Ansprache ebenfalls an die Prüflinge, „die es nicht geschafft haben“.

Am Abend stieg die Party

Doch die Mehrheit war „durch“ und in Feierlaune. Die biha-Präsidentin gratulierte den neuen Gesellen natürlich zu ihrem Erfolg. „Das ist ein verdammt gutes Gefühl, oder?“ Dazu riet sie ihnen: „Gehen Sie Ihren eigenen Weg!“. Eine Empfehlung, die wohl für alle gilt. Auch für die Schüler, für die er noch nicht zu Ende ist. Letztlich handele es sich um eine „Blitzlichtaufnahme“, sagte Peter Denkert noch. Eine, die offenbar ziemlich viele Nerven kosten kann. Und eine, die 644 jungen Menschen den Weg ins Berufsleben geebnet hat. Die Party ging am Abend an der AHA weiter. Da, wo am Morgen die ganze Aufregung begonnen hatte.
Birte Knäpper

Diese Freude war den neuen Hörgeräteakustikergesellen auch deutlich anzusehen. Sie finden eine ganze Reihe von Fotos dazu in der nächsten Ausgabe der Hörakustik (8/2013). Hörakustik – einfach mehr wissen!


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