Ein ausgezeichneter Professor

Professor Dr. Steffen Kreikemeier ist seit April regulärer Professor für Audiotechnik und Psychoakustik an der Hochschule Aalen, womit sich für den 35-Jährigen, der dort selbst studierte, ein Traum erfüllt hat. In einem persönlichen Interview spricht er über seine Professur, seinen kürzlich gewonnenen Lehrpreis und wie es dazu kam, dass die Werbekampagne eines Supermarktes als Vorlage für einen Werbespot für die Hochschule diente.

Hörakustik: Bis vor Kurzem waren Sie Vertretungsprofessor, jetzt sind Sie regulärer Professor. Hat sich dadurch für Sie etwas geändert? Haben Sie zum Beispiel ein größeres Büro mit einer schöneren Aussicht oder sehen Ihre El­tern Sie jetzt als richtigen Professor?

Steffen Kreikemeier: Meine Eltern waren natürlich stolz und glücklich, dass das jetzt geklappt hat, aber weder für mich noch in ihrer Wahrnehmung hat sich etwas geändert. Was mein Bü-ro betrifft, habe ich zwar sowie­so eine sehr schöne Aussicht, aber immer noch dasselbe. Für mich ist vieles wie zuvor geblie­ben, da ich quasi die gleiche Tä­tigkeit schon vorher ausgeübt habe.

Hörakustik: Haben Ihre Stu­dierenden mitbekommen, dass Sie jetzt regulär an der Hoch­schule lehren?

Steffen Kreikemeier: Die Stu­dierenden haben das gleich mit­bekommen, als es hochschulsei­tig veröffentlicht wurde, und sie haben sich unglaublich gefreut. Das war für mich sehr schön.

Hörakustik: Sie waren Vertre­tungsprofessor für Audiotechnik und Audiologie und haben jetzt die Professur für Audiotechnik und Psychoakustik, inhaltlich hat sich da nichts geändert?

Steffen Kreikemeier: Mein Schwerpunkt liegt nun etwas mehr auf der Psychoakustik. Da Audiologie und Psychoakustik eng verwoben sind, ist der fach­liche Unterschied aber nicht so groß. Und das Prozedere, sich auf die Prü­fungen und Vorlesungen vorzuberei­ten, das kannte ich ja schon.

Hörakustik: Was macht man denn in der Psychoakustik? Die Vertonung von Horrorfilmen wird es ja nicht sein …

Steffen Kreikemeier: (lacht) Das ist eine witzige Assoziation, die Sie da haben. Tatsächlich zitiere ich in meiner Anfangsvorlesung Hitchcocks „Psy­cho“. Natürlich denkt man ir­gendwie daran, aber vor Psycho­akustik braucht sich keiner zu fürchten. Das ist ein Teilgebiet der Psychophysik, in dem Zu­sammenhänge des menschli­chen Empfindens beschrieben werden. Das heißt, ich habe ein Schallereignis und teste, wie mein Körper darauf reagiert und was er daraus macht, bis ich dann eine Wahrnehmung habe. Das erkläre ich den Studieren­den in der Vorlesung, weil das bei Hörsystemen sehr wichtig ist.

Hörakustik: Sie haben kürz­lich den Lehrpreis der Hoch­schule Aalen für beispielgebende Maßnahmen zur Verbesserung von Studium, Prüfungen und Lehre gewonnen, für den Ihre Studierenden Sie nominiert ha­ben. Was begeistert diese an Ihrer Veranstaltung?

Steffen Kreikemeier: (lacht) Das müssen Sie theoretisch die Studierenden fragen. Aber ich versuche die Vorlesungen leben­dig zu gestalten, dass die Studie­renden auch Spaß dabei haben. Ich denke, Inhalte zu vermitteln und trotzdem Spaß dabei zu ha­ben, schließen sich nicht aus. Zudem versuche ich immer Bei­spiele anzubringen, wie wir die Theorie in der Praxis umsetzen, sodass die Studierenden bessere Bezü­ge herstellen können. Ich will Inhalte nicht nur vorbeten, sondern die Stu­dierenden anregen, aktiv Probleme an­zugehen. Gerne diskutiere ich auch verschiedene Ideen und weise darauf­hin, dass es bei vielen Dingen nicht nur eine Lösung und einen Lösungs­weg gibt. Ich denke, die Studierenden schätzen die aktive, lustige Atmosphä­re in meiner Veranstaltung.

Hörakustik: Haben Sie, bezogen auf Ihre Lehrtätigkeit, ein Vorbild, bei­spielsweise einen Ihrer Lehrer zu Schul­zeiten?

Steffen Kreikemeier: Das kann ich jetzt erst rückblickend sagen, da es als Schüler noch nicht mein Plan war, in die Lehre zu gehen. Das kam erst spä­ter. Aber mein Physiklehrer am Gym­nasium, Herr Mose, hat mich sicher-lich inspiriert. Er hat gefördert, aber auch gefordert, und den Unterricht mit Humor dargeboten. Rückblickend betrachtet hat er das sehr gut ge­macht.

Hörakustik: Wenn Sie einem Kolle­gen einen Rat geben sollten, würden Sie ihm empfehlen, die Veranstaltung möglichst praxisnah und im Dialog mit den Studierenden zu gestalten?

Steffen Kreikemeier: Ich würde mich nicht trauen, Kollegen Tipps zu geben, die vielleicht schon mehr Berufserfah­rung haben. Aber ich denke, man neigt dazu, Dinge als gegeben hinzunehmen, die für die Studierenden am Anfang vielleicht noch nicht so verständlich sind. Sich in die Situation der Studie­renden hineinzuversetzen, hilft daher auf jeden Fall und das würde ich auch jedem raten. Das ist genauso, wie es auch im Akustikgeschäft hilft, sich in die Situation des Kunden zu verset­zen.

Hörakustik: Sie haben die Werbung eines Supermarktes, bei der ein Mann verschiedene Objekte zunächst mit un­terschiedlichen und dann immer mit dem Adjektiv „supergeil“ beschreibt, aufgegriffen und in Anlehnung daran ein Werbevideo für Ihren Studiengang gedreht. Was hat Sie dazu bewogen, genau diese Werbung aufzugreifen?

Steffen Kreikemeier: Mein Kollege Bernhard Buschle und ich fanden die Werbung einfach super witzig. Das ist etwas komplett Frisches gewesen, was der Supermarkt zu dem Zeitpunkt gemacht hat. Zudem war ich als Stu­dierender schon sehr zufrieden in Aalen und jetzt als Dozent finde ich es auch super vom Team und von der Ausstattung her, und da hat sich dann ergeben, dass wir in Zusammen­arbeit mit dem Medienzentrum der Hochschule „supergeil“ für uns um­münzten.

Hörakustik: Wie war die Resonanz, konnten Sie sich plötzlich vor Studie­renden nicht mehr retten?

Steffen Kreikemeier: Das ist jetzt noch nicht der Fall, aber das hoffe ich natürlich irgendwann einmal (lacht). Die Resonanz war allgemein sehr po­sitiv, auch Ehemalige haben das gese­hen und dann wieder den Kontakt zur Hochschule gesucht. Die Hörakustik ist dadurch mehr ins Zentrum der Auf­merksamkeit gerückt und ich glaube, das Video spiegelt auch wider, dass wir hier eine gute Ausstattung und Spaß an der Sache haben. Aber das heißt jetzt nicht, dass wir hier immer nur Blöd­sinn machen! Das Video soll den Stu­dierenden auch zeigen, welche Projek­te möglich sind, dass sie selber so et­was auch mal auf die Beine stellen können. Viele Studierende und Mitarbeiter von der Hochschule haben da­ran mitgewirkt, und dafür bin ich sehr dankbar, das macht auch nicht jeder. Insgesamt hoffen wir natürlich, dass wir den Bekanntheitsgrad dadurch erhöhen und auf Aalen aufmerksam machen können.

Hörakustik: Haben Sie ein weiteres derartiges Projekt geplant?

Steffen Kreikemeier: Ja, aber nicht im Videobereich. Ich würde das gerne intensivieren, das Drehen des Videos hat jedoch insgesamt ein Jahr gedauert. Das ist natürlich sehr intensiv, wenn man zusätzlich einer regulären Profes­sorentätigkeit nachgeht. Da bleibt ei­nem nicht so viel Zeit. Aber ich plane ein seriöses Informationsplakat für Leute mit Hörverlust, da ich es wichtig finde, dass man auch über innovative Informationen Werbung für sich selbst macht.

Hörakustik: Haben Sie momentan neben den Werbeaktivitäten für die Hochschule und die Lehre ein For­schungsprojekt?

Steffen Kreikemeier: Wir sind natür­lich weiter an dem Bereich First Fit dran, also der initialen Anpassung. Das ist für mich auch aufgrund meiner Doktorarbeit ein Schwerpunkt, in der ich ein Verfahren zur lautheitsbasierten Perzentilanpassung, das sogenannte LPFit, entwickelt habe. Jetzt geht mei­ne Forschung mehr in die Kombina-tion aus Anpassung und Vernetzung, Multimediabereich, also die ganzen Wireless- und Streaminggeschichten. Da haben wir noch sehr viel Potenzial, bei dem uns andere Forschungsberei­che noch unterstützen können, was beispielsweise Funksysteme und All­tagstauglichkeit in Richtung Wearables betrifft.

Hörakustik: Und wie sehen Ihre Plä­ne für die Zukunft aus?

Steffen Kreikemeier: Das war schon sehr überwältigend, dass sich jetzt mein Traum mit der Professur erfüllt hat und dann auch noch der Lehrpreis. Dennoch habe ich noch sehr viel vor. Man kann sich schließlich immer wei­terentwickeln, in der Lehre, was das Didaktische betrifft, und auch fachlich aktuell bleiben. Das ist in der Hörakus­tik auch gar nicht so einfach, weil es immer wieder Neuerungen gibt. Auch möchte ich die Forschung und den Standort Aalen weiter ausbauen. Ab dem Wintersemester startet der neue Studiengang Hörakustik/Audiologie in Abstimmung mit der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker KdöR (biha). Die Kombination Augenoptik und Hör­akustik wird es in dieser Form nicht mehr geben. Jedoch ist eine Kombina­tion der Hörakustik und Augenoptik durch ein Studium nacheinander wei­terhin möglich. Durch die Umstellung kommt einige zusätzliche Arbeit auf meine Kollegen und mich zu.

Hörakustik: Vielen Dank für das Gespräch!


Monika Seidel


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